22. April 2026
CHRIZZLI-Chronik, Teil 8: „Realitätsschellen“

Pläne sind schnell gemacht.
Aber da gibt es ja noch den Alltag unserer Protagonistinnen Lisa und Christoph. Und so ein Alltag – so ein Leben – kann die kühnsten und wunderbarsten Pläne, Visionen und Träume auch mal ganz schnell „erden“. Da stehen dann auch mal andere, wichtigere und dringlichere Themen im Vordergrund. Da muss CHRIZZLI mal Pause machen und diesen Themen Raum und Zeit geben. Und da wird während unserer geplanten Probenwoche über Karneval halt nicht musiziert, sondern renoviert. Und so begegneten Lisa und ich uns diesmal auch entsprechend anders als sonst: Eben als Freundinnen, die mehr als ein Sound-Poetry-Projekt miteinander teilen.

Wir versäumten es jedoch nicht, drei neue Proben-Wochenenden bis zu den Sommerferien zu verabreden, um „das Versäumte“ nachzuholen. Sportlich, aber: Klar! Stößchen!

Wieder zuhause, beim selbstkritischen und „unverklärten“ Blick auf meine neuen und alten
Kalender-Einträge musste ich mir eingestehen, dass – neben anstehenden Klassenfahrten,
Fortbildungen und familiären Plänen – meine vielfältigen musikalischen Aktivitäten und Pläne
überhaupt nicht zu schaffen wären. Jedenfalls nicht für mich.

Ich musste beherzt auf die Bremse treten und das Maß meiner verplanten Wochenenden
sowie weiterer Aktivitäten drastisch reduzieren. Und CHRIZZLI war natürlich Teil dieser
schweren Überlegung. Wir mussten reden.
(Unser letztes musikalisches Treffen lag inzwischen über vier Monate zurück. Erstmalig in Köln
hatten wir kurz vor dem Jahreswechsel im Obergeschoss des Cafés „Hertz-Häuschen“
geprobt, das gerade Betriebsferien hatte.)
Unsere nächste Probe war für April verabredet.
Diese nutzten wir daher zunächst für Überlegungen, wie wir künftig weitermachen wollen,
denn irgendwie befanden wir uns beide im Spannungsfeld zwischen Begeisterungsfähigkeit
und Überforderung.
Es ging erstmal um eine Art Jahresrhythmus. Standard-Proben-Termine verabredet:
Karneval, Mai, Oktober und Jahresende. Viermal jährlich mit unterschiedlich vielen
Probentagen. Dreimal Leipzig, einmal Köln. Stößchen!

Auch ging es darum, wieviel musikalisches Equipment wir im Stande sind, stressfrei mit der
Bahn von Köln nach Leipzig und umgekehrt zu transportieren – und in dem Zusammenhang
natürlich nicht nur um das „Wieviel?“, sondern auch um das „Was?“.
Wir mussten eine Balance zwischen klanglicher Vielfalt und Praktikabilität finden. Listen
wurden geschrieben, Instrumente gegeneinander abgewogen, auf Ballast und Dopplungen
wurde möglichst verzichtet. Auch tonal machten wir uns locker.
Das Ergebnis war planerische Orientierung, ein gesundes Maß an Beschränkung sowie das
Gefühl, eine gewisse „Ausuferung“ gerade noch verhindert zu haben. Es fühlte sich gut und
richtig an. Stößchen!

Und nach den ganzen komplizierten organisatorischen Überlegungen wandten wir uns dann
doch noch unserer frisch gekauften Technik zu, mit der wir künftig Aufnahmen und Auftritte
aus eigenen Kräften und mit eigenem Material durchführen wollen. Unboxing!
Die Suche nach den ersten verstärkt hörbaren Wörtern und Klängen (hinein in unsere Mikros,
durch Kabel und Mischpult hindurch und dann heraus aus der finalen Box) gestaltete sich
zwar recht schwierig, war aber schlussendlich erfolgreich. Stößchen!

Und weil wir den Tag nicht ganz ohne Poesie beenden wollten, griffen wir noch nach dem
nun anstehenden nächsten Text. Und da war sie auch sofort wieder da, die CHRIZZLI-Magie.
Gedanken, Ideen, musikalische Fragmente sowie klangliche Experimente flogen hin und her,
und am Schluss waren wir beseelt vom Geschafften. Stößchen!
CHRIZZLI Sound-Poetry fällt nicht vom Himmel.
Sie ist zunächst natürlich Ergebnis von Kreativität sowie gegenseitigem persönlichem,
musikalischem und literarischem Verstehen. Darüber hinaus ist ein wenig Magie im Spiel und
schließlich doch ein etwas höheres „Muss“ an Alltagstauglichkeit, als vielleicht gedacht ….
Und so hilft uns die ein oder andere Realitätsschelle vielleicht dabei, CHRIZZLI nicht als
„Bubble“ zu erleben.
Much better! Stößchen!